Auszugsweise unser Konzept:

       JuLe                Bilder Eröffnung

Konzeption für eine integrative                                                                                                                                                                     Kinder- und  Jugendfreizeiteinrichtung im Stadtteil “Kannenstieg”

-Lebenshilfe e.V.

-Junge Humanisten Magdeburg e.V.

 

Inhalt

1.  Leitbild “Junge Humanisten Magdeburg” e.V.

2.  Leitbild “Lebenshilfe” e.V.

3.  Bedarf

4.  Absichten und Ziele

5.  Angebote und methodisches Vorgehen

6.  Organisationsstrukturen

7.  Finanzierung und personelle Ausstattung

8. Öffnungszeiten

 

 

1. Zum Leitbild des Trägers Junge Humanisten e.V.

Die Jungen Humanisten Magdeburg sind ein nicht konfessionell gebundener Verein, der parteipolitisch unabhängig und der Idee der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet ist, verstanden als Recht eines jeden Menschen auf gleiche Chancen zur Verwirklichung seines Lebens und der Entwicklung seiner Persönlichkeit. Anderen demokratischen Lebensauffassungen und Weltsichten begegnen die Jungen Humanisten mit Achtung und Toleranz.

Die Jungen Humanisten vertreten den Standpunkt, daß Kinder und Jugendliche für ihre Entwicklung einen Raum brauchen, in dem sie frei von übernatürlichen Erklärungen oder dogmatischen Vorgaben über sich selbst und über Sinn- und Wertvorstellungen nachdenken können und befähigt werden, eigene Lebensentwürfe zu entwickeln und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Ziel unserer Arbeit ist eine Kinder-, Jugend und familienfreundliche Gesellschaft, in der junge Menschen unabhängig von ihrer körperlichen und geistigen Verfassung, ihres Geschlechts, ihrer Nationalität, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer weltanschaulichen Überzeugung oder Religionszugehörigkeit in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung gefördert werden.

Die Begegnung unterschiedlichster Menschen schafft einen Grundlage für die Entwicklung einer toleranten und weltoffenen Einstellung , in der Gewalt und Diskriminierung keinen Platz haben.

Die MitarbeiterInnen und ehrenamtliche Helfer in den Einrichtungen der Jungen Humanisten Magdeburg vertreten in ihrer Arbeit das Prinzip der Toleranz und Akzeptanz.

 

[nach oben]

2. Zum Leitbild des Trägers “Lebenshilfe Magdeburg e.V.”

Entsprechend dem Grundsatzprogramm der Lebenshilfe zielt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit speziellen Bedürfnissen darauf ab, soviel Hilfe wie nötig zu leisten und so diesem Personenkreis ein Leben so normal wie möglich zu realisieren.

Der Grundsatz der Normalität, welcher mit der Akzeptanz des “Anders – Seins” eng verbunden ist, ist eine wichtige Voraussetzung der Einstellung von in der Lebenshilfe tätigen Mitarbeitern gegenüber Menschen mit Behinderungen.

Eine weitere Grundbedingung unserer Arbeit ist die Anerkennung des Rechtes auf Selbstbestimmung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen innerhalb der Gemeinschaft.

Dazu müssen diese befähigt werden, eigene Meinungen müssen respektiert und Mitgestaltungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden, um die Kompetenzen behinderter Kinder und Jugendlicher für eine Bereicherung der Gestaltung des Alltags mit Nichtbehinderten zu nutzen.

Nur so läßt sich das Ziel der Integration von Menschen mit geistigen Behinderungen in das Leben aller Menschen verwirklichen.

Diese Werte, welche bundesweit durch die Lebenshilfe vertreten werden, bestimmen die Professionalität ihrer MitarbeiterInnen. Angehörige und die Menschen mit Behinderungen selbst werden als gleichberechtigte Partner anerkannt, die Kompetenzen aller sind gefordert und müssen weiterentwickelt werden.

Der Wandel in der Arbeit , welcher sich in den vergangenen Jahrzehnten von der Aufbewahrung von Menschen mit Behinderungen, über Förderung und Betreuung bis hin zur Assistenz und Begleitung in der Gegenwart vollzieht, muß von Mitarbeitern ständig neu reflektiert werden.

Dieser Wandel muß sich aber auch in der Gemeinschaft aller Menschen vollziehen.

Aus diesem Grunde ist es auch in der Stadt Magdeburg erforderlich, eine integrative Kinder und Jugendfreizeiteinrichtung zu schaffen.

 

[nach oben]

3. Bedarf

In der Stadt Magdeburg gibt es nur wenige betreute Freizeitmöglichkeiten für  behinderte Kinder und Jugendliche, eine integrative Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung ist nicht vorhanden. In Magdeburg leben ca. 800 geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche im Alter von 8- 27 Jahren.

Kinder und Jugendliche mit Behinderungen haben kaum Möglichkeit, mit nichtbehinderten Altersgenossen in Kontakt zu treten, zu spielen und zu lernen und Freundschaften aufzubauen.

Spielplätze oder Freizeitmöglichkeiten der Stadt können nicht ohne Aufsicht besucht werden.

Ohne besondere Begleitung finden diese Kinder und Jugendlichen mit speziellen Bedürfnissen bei anderen Kindern auch nicht das entsprechende Verständnis.

Dieses frühe Fehlen einer Integration in den gesellschaftlichen Alltag erschwert für diese Menschen die Herausbildung einer selbstbewußten Persönlichkeit und die spätere Integration ins Berufsleben, soweit es die jeweilige Behinderung zuläßt.

Weiterhin bedingt dieses “Nicht verstehen” aggressive Verhaltensweisen in den unterschiedlichsten Abstufungen.

Für Kinder und Jugendliche ohne Behinderungen ist es wichtig, einen Raum zu finden, in dem sie mit ihrer Meinung, ihren Eigenarten und ihrem eigenen Lebensstil anerkannt und akzeptiert werden. Im Einzugsgebiet ”Nord” werden Kinder und Jugendliche gehäuft mit den Problemen Arbeitslosigkeit (15,1 %), Scheidung und finanzieller Not konfrontiert. Viele Kinder leiden unter Mangel an Emotionalität und Zuwendung.

Ein weiteres Problem stellt eine gehäufte rechte Orientierung der Jugendlichen dar.

Durch die Schließung der Freizeiteinrichtung “Brunnenhof” kam es zu einer räumlichen Neuorientierung der dort betreuten Jugendlichen, der bereits existierende Schülertreff im “Bürgerhaus” nahm einen Teil des Klientel auf und band dieses im Bereich Kraftsport/ Cafebereich mit ein.

Gerade in der heutigen Zeit, wo es immer wieder zu gewalttätigen Zwischenfällen gegen Minderheiten kommt, reicht einen moralische Positionierung von Politik und Gesellschaft allein nicht aus.

Kindern und Jugendlichen muß auch eine Möglichkeit gegeben werden, ”Anders- sein” kennen zu lernen, zu verstehen und entstehende Konflikte im geschützten Rahmen friedlich auszutragen. Eine pädagogisch geführte Begleitung dieses Prozesses ist unerläßlich.

Eine integrative KJFE würde dafür einen Rahmen bieten, um behinderten und nicht behinderten Jugendlichen ein Annähern und ein Erlernen von gegenseitiger Akzeptanz zu ermöglichen. Dies hätte nicht nur positive Auswirkungen auf den Bereich von Behinderten und nicht Behinderten sondern würde allgemein die Kompetenz erweitern, mit anderen Minderheiten offener und verständnisvoller umzugehen.

 

[nach oben]

4. Absichten und Ziele

Mit der Einrichtung einer integrativen KJFE soll Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung eine Möglichkeit zur Gestaltung ihrer Freizeit gegeben werden.

Damit wird eine sinnvolle Alternative für alle Kinder und Jugendliche geschaffen, um gegenseitiges voneinander lernen zu ermöglichen. Dieses Lernen kann im kreativen, sportlichen oder technischen Bereich stattfinden.

Bei der gemeinsamen Teilnahme an Projekten und Veranstaltungen sollen Hemmschwellen abgebaut werden, das Verständnis füreinander soll nicht aufdiktiert werden, sondern im gemeinsamen Erleben wachsen.

Schwerpunkte der sozialpädagogischen Arbeit bestehen vor allem darin, die Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung zu befähigen, gleichberechtigt Wünsche und Interessen zu äußern und diese selbstbestimmt umzusetzen.

Durch dieses gemeinsame Erleben werden alle Beteiligten befähigt, Eigenverantwortung für ihr Handeln zu tragen. Soziales Verhalten, orientiert an gesellschaftlich anerkannten Werten, wird im gemeinsamen Tätig sein aktiviert und stabilisiert.

Dabei sind Regeln des Zusammenlebens in der Gruppe zu beachten. Damit werden Integrations- und Kommunikationsfähigkeiten erworben und weiterentwickelt.

Einen wichtigen Platz in der pädagogischen Arbeit soll die Elternarbeit einnehmen.

Den Eltern soll die Möglichkeit gegeben werden, Einblick in die Freizeitgestaltung ihrer Kinder zu erhalten, gleichzeitig aber sich auch aktiv an deren Gestaltung zu beteiligen, z.B. bei Festen und Projekten. Die pädagogischen Mitarbeiter sollen sich als Ansprechpartner für Kinder und Eltern verstehen und können bei Konflikten beratend und vermittelnd zur Seite stehen.

 

[nach oben]

5. Angebote und methodisches Vorgehen

Im Rahmen der gesellschaftlichen Integration von Kindern und Jugendlichen, ihrer Lebensgestaltung und Lebensbewältigung soll eine unterstützende und begleitende sozialpädagoische Arbeit im Vordergrund stehen, welche situationsorientiert ist.

Durch sinnvolle Freizeitgestaltung, welche sich an bestimmten Schwerpunkten orientiert, sollen Möglichkeiten geschaffen werden, die Benachteiligung schrittweise auszugleichen, Notlagen entgegenzuwirken und möglichst alle sozialen Schichten anzusprechen.

In der Kinder- und Jugendzeit ist die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen eine der wesentlichen Entwicklungsaufgaben, welche von ausgebildeten Pädagogen sozialpädagogisch begleitet werden muß.

Behinderte Kinder und Jugendliche mit speziellen Hilfebedarf dürfen nicht aus dieser Gemeinschaft ausgegrenzt werden.

Deshalb orientiert sich die Arbeit der KJFE an den aktuellen Bedürfnissen der Besucher und akzeptiert diese, so wie sie sind, um dann Ansätze für pädagogisch sinnvolles Handeln zu erarbeiten. Im Vordergrund steht die Schaffung von Vertrauen zueinander.

Die Freizeitangebote der Einrichtung geben jungen Menschen die Möglichkeit zwischen vielfältigen Angeboten zu wählen oder neue Angebote ins Leben zu rufen.

So bestehen bereits in den Räumen der “Jungen Humanisten” Möglichkeiten zum Basketball- und Tischtennisspiel, bei denen vor allem das Gemeinschaftsdenken angesprochen wird.

Billard-, Dart- und Nintendospiele fördern logisches Denken und Fähigkeiten im Bereich der Motorik. Verschiedene Gesellschaftsspiele geben die Möglichkeit, sich im Gruppenspiel kennenzulernen und soziales Verhalten zu schulen.

Diese Angebote sollen prinzipiell allen Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung zugänglich sein.

Über offene, altersspezifische Angebote mit eigener Programmvorgabe und bestimmter Teilnehmerzahl, werden Interessenfindung und Entspannung initiiert. Solche Freizeitangebote für Gruppen sind Kochen, Reiten, Musik und Tanz, sowie ein Sportprojekt.

Diese Angebote werden derzeit von der Lebenshilfe angeboten und bei Bedarf für nicht behinderte Kinder und Jugendliche geöffnet.

Ein wichtiger Bereich wird der Zugang zum Internet sein, da dies mittlerweile zum alltäglichen Leben gehört und gerade für körperbehinderte Menschen einen ganz neuen Raum für Kommunikation und Bildung darstellt.

Im Gemeinschaftsbereich haben alle Beteiligten die Möglichkeit, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, einander kennen und helfen zu lernen, neue Freundschaften zu schließen und bestehende zu festigen. In diesem Bereich werden thematische Gesprächsrunden angeboten, welche sich unter anderem auch mit dem ”Anders Sein” von Minderheiten befassen.

Das Außengelände bietet die Möglichkeit, sich eigenverantwortlich zu betätigen. Dabei stehen sportliche Interessen im Vordergrund, aber auch die Möglichkeit zur Pflege und Gestaltung des Objektes.

Unter Berücksichtigung der individuellen Besonderheiten der Kinder und Jugendlichen können diese bestimmten Aufgaben in der Einrichtung übernehmen und an der Planung von Veranstaltungen mitwirken.

Eine aktive Mitarbeit der Jugendlichen wird gefördert, indem die Wahl eines Clubrats initiiert wird und die Kinder und Jugendlichen durch Umfrageaktionen und einem Kummer/ Wunschbriefkasten ständig Einfluß auf das Geschehen nehmen können.

Eine ständige Kommunikationsbereitschaft der Mitarbeiter wird als selbstverständlich vorausgesetzt.

Regelmäßig wird es einen Tag der offenen Tür geben, um Anwohnern und interessierten Eltern, Kindern und Jugendlichen Einblick in die Arbeit der Einrichtung zu geben

 

[nach oben]

6. Organisationsstrukturen

Die Angebote werden in Kooperation mit der ”Lebenshilfe” e.V. und den “Jungen Humanisten Magdeburg” e.V. vorgehalten, da die Leitbilder unserer Einrichtungen sich positiv ergänzen.

Diesbezüglich soll eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen werden.

Aufgrund der nebeneinander im Erdgeschoß gelagerten Räumlichkeiten beider Vereine ist eine Verknüpfung der Aktivitäten beider Vereine nicht nur inhaltlich, sondern auch wirtschaftlich effektiv.

Es ist vorgesehen, die Räume der Lebenshilfe nur projektbezogen (siehe Angebote der Lebenshilfe in Pkt. 5) zu öffnen, die Arbeit der “Offenen Hilfen” wird weiterhin wie gehabt fortgeführt.

Die Räume der jungen Humanisten im Erdgeschoß sollen als integrativer Bereich allen Kindern und Jugendlichen geöffnet werden. Dazu gehört ein Gruppenraum und ein Raum für Einzel- oder Kleingruppengespräche .

Der Schülertreff im Untergeschoß wird seine traditionelle Arbeitsweise fortsetzen, also nicht zum integrativen Bereich gehören, um auch den nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen eine Rückzugsmöglichkeit im angestammten Raum zu erhalten.

Um möglichst vielen Betroffenen diese Möglichkeit der Freizeitgestaltung und Betreuung  vorzustellen, muß Öffentlichkeitsarbeit im hohen Maße erfolgen. Dazu werden Flyer erstellt, die in Ämtern, Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen ausgelegt werden. Weiterhin wird eine häufige Präsenz bei Veranstaltungen angestrebt, dazu können der ”Tag der offenen Tür” an Schulen und Stadt(teil)feste gehören.

Damit möglichst viele behinderte Kinder und Jugendliche das Angebot der Freizeiteinrichtung nutzen können, wird ein Fahrdienst eingerichtet, der bestellt werden kann und die Kinder von der Schule oder Elternhaus abholt und wieder nach Hause bringt.

Der Fahrdienst trägt einen großen Teil zu der angestrebten Unabhängigkeit der behinderten Kinder bei, da diese in Bezug auf die Erreichbarkeit der Einrichtung sonst auf Eltern und Angehörige angewiesen sind.

Zur Arbeitsweise einer integrativen Freizeiteinrichtung muß eine Beteiligung aller Betroffener am Planungs- und Entscheidungsprozeß gehören. Formen davon können z.B. ein Clubrat und ein Elternkreis sein. Diese Arbeit wird von den MitarbeiterInnen gefördert und begleitet.

Die Arbeit in einer integrativen Einrichtung erfordert im hohen Maße fachliche und persönliche Kompetenz. MitarbeiterInnen werden daher regelmäßig in- und extern geschult, um ein hohes Niveau in der Arbeit zu erreichen.

 

[nach oben]

8. Öffnungszeiten

In der Schulzeit:        Montag - Freitag        14.00 Uhr   -     21.00 Uhr

                                Samstag                    Projekt/ Veranstaltungsbezogen

                  

Ferien:                      Ferienprogramm

                                ( Veranstaltungen mit angemeldeten Teilnehmern )

 

[nach oben]

Projekt JuLe

[zurück]